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Tagebuch Sevilla

 
06.05.2009: Montilla, die Heimat des Inca Garcilaso de la Vega
Nach meiner Ankunft in Montilla stehe ich mit meinem Köfferchen an der Autobushaltestelle. Nirgendwo ein Taxi. Aus den Bodegas schallt der Klang vieler männlicher Stimmen. Die spanische Sprache klingt mitunter wie ein Maschinengewehr. Mit meinem österreichischen Handy rufe ich die Nummer des Taxifahrers José an. Er soll in fünf Minuten kommen. Auf der Litfaßsäule gegenüber sehe ich die Ankündigung meines Vortrags, den ich am nächsten Tag halten sollte. Auf Einladung der Bürgermeisterin. In der Tat steht da geschrieben: „Wie eine österreichische Schriftstellerin den Inca entdeckt hat.“ In der tiefen spanischen Provinz werde ich einen Vortrag halten. Welche Skurrilität! Wer weiß hier überhaupt etwas über Österreich? 15 Minuten später ist das Taxi immer noch nicht gekommen. Ich werde wohl mit dem Bus ins Zentrum fahren. Ich, die österreichische Schriftstellerin, die in Montilla ganz groß angekündigt wird. Gott sei Dank sitzt im Bus eine winzige Spanierin, die mich in der Altstadt zu meiner kleinen Pension führt. Schließlich bin ich jetzt eine „Garcilasista“. So nennt man in Spanien jemanden, der über den Inca Garcilaso de la Vega schreibt.
In Sevilla erfahre ich ein paar Tage später, dass es eine Ehre ist, in der Casa del Inca einen Vortrag über den Inca halten zu dürfen …
 
 
 

Tagebuch Paris

24.11.2009: Der Bücherladen in der Rue Mazarine
Der dunkelgrüne Holzeingang des kleinen Geschäfts in der Rue Mazarine ist schon mehrmals überstrichen worden. Auf der Innenseite der Tür hängt eine kleine Glocke, die dem Buchhändler Chanut meinen Besuch ankündigt. Menschen, die in Saint-Germain-des-Prés wohnen, haben hier ihren kleinen Buchshop – für ein Schwätzchen, für ein Fachgespräch oder einen kompetenten Tipp. Ich bin diesmal nach Paris gekommen, um über Léopold Sédar Senghor, den Poeten und ehemaligen Präsidenten des Senegal, zu recherchieren. Und während der Seminare, die ich besuchte, und bei der Lektüre der Bücher über ihn kam mir die Idee, einmal afrikanische Märchen zu lesen, die in Senghors Dichtung eine so große Rolle spielen.
In einem winzigen, samtbezogenen Fauteuil sitze ich nun und vertiefe mich in die afrikanische Märchenwelt, während Monsieur Chanut mich über seine randlose Brille hinter Bergen von Büchern beobachtet und immer wieder nachfragt, ob er mir helfen könne. Welcher Zauber, welche Leichtigkeit geht von den Geschichten aus! In ihnen ist der Mensch von einer gigantischen Tierwelt umgeben. Ich blättere in einem Buch, überfliege die Texte, immer auf der Suche nach einer geeigneten Story für mein Buch. Hier, in dem kleinen Bücherladen, lese ich viel konzentrierter als in der meist schläfrigen Atmosphäre der Bibliotheken.
Einfach in der Rue Mazarine oder der Rue Seine schlendern, Eindrücke, Gefühle und Gedanken kommen lassen, Zeit haben, unendlich viel Zeit, sich in das Fremde in Zeitlupe einnisten, Worte aufschnappen, sie assoziieren und später einen Text herstellen. Das ist für mich wahres Recherchieren …
 

Tagebuch Oxford

23.04.2009: Blackwell’s Bookshop
Da gibt es Journalisten, die behaupten, die nächste Generation werde Bücher nur im Internet lesen. Da meinte ein Experte auf der Frankfurter Buchmesse, die neuen Bestseller müssten Everyday-Probleme behandeln, so wie Handbücher für Computerinstallation, die den Menschen sagen, was er wann und warum tun soll. Not so in Oxford at Blackwell’s Bookshop! Im ersten Stock gibt es ein gemütliches Café, wo man sich ein Buch nimmt, darin blättert, liest und es vielleicht dann doch nicht kauft. In dem beige Lederfauteuil, bei einem Cappuccino und einem Brownie, umgeben von Studenten, Professoren und anderen Leseratten verbringe ich fast täglich meinen Break. V. S. Naipaul, einer der drei Protagonisten in meinem neuen Buch, hat 25 Bücher geschrieben. Einen Teil davon finde ich bei Blackwell’s …